Was ist ein ETF

Börsengehandelte Indexfonds bzw. Exchange Traded Funds (ETFs) sind Investmentfonds, die einen bestimmten Börsenindex nachbilden. Dessen Entwicklung vollziehen sie 1 : 1 mit. Steigt der Index um 2 Prozent, steigt der ETF ebenfalls um 2 Prozent und fällt der Index, fällt der ETF proportional. Beispielsweise kann ein ETF den deutschen Aktienindex (DAX) nachbilden oder den MSCI World Index, um nur zwei bekannte Börsenindizes zu nennen. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds haben ETFs keinen Fondsmanager. Das klingt ja tendenziell schon mal sehr gut.  Und weil Indexfonds lediglich einen Referenzindex passiv nachbilden, nennt man diesen Investmentansatz auch passives Investieren. Weltweit gibt es Hunderte von Indizes, die durch ETFs abgebildet werden. Und meistens gibt es mehrere ETFs von verschiedenen Anbietern, die einen bestimmten Index nachbilden. Eine große Auswahl von über 1000 ETFs mittlerweile von unzähligen Anbietern. Sehr schön. Und wie funktioniert jetzt ein ETF
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Vehikel ETF

Dann sind u. a. die Gesamtkostenquote (Total Expense Rate = TER) und das Volumen desjeweiligen ETFs Kriterien, um sich für einen konkreten Indexfonds zu entscheiden. Letztlich kommt es aber auf die Gesamtabweichung vom Referenzindex an – den sogenannten Tracking Error. Dabei spielt auch eine Rolle, ob ETFs ihre Wertpapiere verleihen und dadurch Zusatzerträge erwirtschaften. Bei der Wertpapierleihe verleiht der jeweilige ETF seine Wertpapiere an Banken und erhält im Gegenzug eine Leihgebühr dafür. Da die Banken mit den Wertpapieren spekulieren, existiert auch hier ein sogenanntes Kontrahentenrisiko, auf das an späterer Stelle noch genauer eingegangen wird.

Allein in Deutschland sind mittlerweile über 20 Kapitalanlagegesellschaften am Markt tätig, deren ETFs an deutschen Börsen zum Handel zugelassen sind. Erstmals wurden in Deutschland im Jahre 2000 zwei ETFs zum Handel zugelassen und heute werden allein an der Frankfurter Börse mehr als 1.100 ETFs gehandelt. Es gibt sie für verschiedenste Anlageklassen und für zahlreiche Länder, Regionen und Branchen. Damit sind die unterschiedlichsten Anlagestrategien möglich. Sehr

Vorteile, die für ein Investment in Exchange Traded Funds sprechen

ETFs haben für Privatanleger eine Reihe an Vorteilen:
Da ist als erstes die Risikostreuung zu nennen. Statt in ein einzelnes Wertpapier zu investieren, kaufen Anleger gleich einen ganzen Markt. Beispielsweise investiert man beim MSCI World Index in über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. So hat man mit nur einem einzigen ETF von Beginn an eine breite Risikostreuung, bei der die Krise eines einzelnen Unternehmens (siehe Beispiel VW) nur wenig ins Gewicht fällt. Zudem sind ETFs in der Regel sehr transparent. Anleger wissen genau, in was sie investieren. Sehr schön, die Transparenz scheint gegeben zu sein.

Der zweite Vorteil von ETFs sind die niedrigen Kosten. Während ein aktiv gemanagter Fonds (Fonds, der von einem Fondsmanager gemanagt wird) jährliche Verwaltungskosten in Höhe von durchschnittlich mehr als 1,5 Prozent des Fondsvolumens kostet, liegen die Durchschnittskosten von ETFs bei nur 0,37 Prozent jährlich. Das ist ein enormer Kostenunterschied. Darüber hinaus fallen bei ETFs keine Ausgabeaufschläge an, da sie nicht direkt bei den Kapitalanlagegesellschaften gekauft, sondern an den Börsen gehandelt werden.
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Dritter Vorteil: ETFs sind sehr flexibel. Sie können jederzeit an der Börse ge- und verkauft werden. Und darüber hinaus sind sie eine pflegeleichte Geldanlage, um die man sich nicht permanent kümmern muss, wie zum Beispiel um einzelne Aktien (Einzelwerte), die man ständig im Blick haben muss.

Nachteile von ETFs

Der einzige nennenswerte Nachteil von Exchange Traded Funds aus Anlegersicht besteht darin, dass man den Markt mit konventionellen ETFs nicht outperformen kann. Sondern man nur genauso gut wie der Markt abschneidet abzüglich der jährlichen Verwaltungskosten. Mittlerweile gibt es jedoch auch speziell konstruierte Indexfonds, die besser als ihr Index abschneiden wollen, aber dabei nicht mehr dem Gedanken des passiven Investierens entsprechen. Diese ETFs laufen unter dem Oberbegriff Smart Beta ETFs und sind ein neuer Trend am Markt für Indexfonds.

Wie Exchange Traded Funds ihre Gewinne verwenden

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Gewinnverwendungsmethoden bei ETFs:
Eine Sorte von ETFs schüttet anfallende Zinsen und Erträge an die Anteilseigner aus. Und die andere Sorte behält die erwirtschafteten Zinsen und Erträge ein und legt sie wieder an. Diese Art von ETFs nennt man thesaurierend. Damit gibt es also sowohl ausschüttende als auch thesaurierende ETFs. Dabei ist weder das eine oder das andere besser oder schlechter. Sondern es kommt allein auf die Ziele des Anlegers an, für welche Art von ETF er sich entscheidet. Eher Risikoarm oder risikoreich. Also mehr oder weniger Aktienpart.

Wie ETFs einen Index nachbilden

Indexfonds können einen Index auf unterschiedliche Art und Weise nachbilden. Dabei gibt es drei nennenswert unterschiedliche Methoden, wie Exchange Traded Funds einen Börsenindex nachbilden. Indizes mit einer überschaubaren Anzahl an Unternehmen, wie zum Beispiel der DAX, werden abgebildet, indem der jeweilige ETF die entsprechenden Aktien alle kauft und entsprechend der Marktkapitalisierung gewichtet. Das nennt man vollständige Replikation und geht gut bei Indizes mit einer überschaubaren Anzahl an Einzeltiteln. Bei größeren Indizes wie beispielsweise dem MSCI World Index stößt dieses Verfahren schnell an Grenzen, weil der Verwaltungsaufwand und damit die Verwaltungskosten zu hoch werden. Deshalb wird hier nur eine statistisch relevante Auswahl an Einzeltitel nachgebildet. Diese Methode heißt Representative-Sampling-Methode. Beispielsweise hält der iShares ETF MSCI World nur ca. 700 Aktien, obwohl der Index mehr als 1.600 Einzeltitel umfasst.

Und schließlich gibt es noch Swap-ETFs. Bei dieser synthetischen Replikation eines Index wird ein beliebiger Korb von Wertpapieren im Index gehalten und gleichzeitig erfolgt ein Tauschgeschäft (Swap) mit einer Bank, die die Wertentwicklung des jeweiligen Index auf den Tag genau garantiert.
Hierbei gibt es ein sogenanntes Kontrahentenrisiko, dass darin besteht, dass die betreffende Bank pleitegehen kann, wie es beispielsweise bei der Investmentbank Lehman Brothers der Fall war. In der Praxis wird das Tauschgeschäft bei Swap-ETFs in der Regel besichert, so dass es nur eine theoretische Verlustchance gibt. Zudem ist ein Swap auf 10 Prozent des Nettoinventarwertes eines Fonds beschränkt. Trotzdem sind vielen Anlegern physisch replizierende ETFs lieber und eine ganze Reihe an Kapitalanlagegesellschaften richten ihre Exchange Traded Funds nach diesen Wünschen aus.

ETF-Sparpläne als Königsweg des Sparens

Besonders lukrativ für Sparer sind ETF-Sparpläne, die von den meisten Online-Brokern angeboten werden. Aber kaum von Filialbanken. Diese Sparpläne sind schnell am PC eingerichtet und die Abbuchungen geschehen dann automatisch und werden in den oder die ETFs Ihrer Wahl investiert.

Ab welchem Betrag kann man starten?

Zum Teil kann auf diese Weise bereits ab 25 Euro monatlich gespart werden und ein nennenswerter Vorteil dieser Sparpläne ist ihre große Flexibilität. So kann die Sparrate jederzeit an veränderte Einkommensverhältnisse angepasst und bei Bedarf auch für eine Zeit ausgesetzt werden. Zusätzlich gibt es keine festen Laufzeiten oder Kündigungsfristen, so dass Sparer jederzeit über ihr Kapital verfügen können. Damit sind ETF-Sparpläne bedeutend flexibler als die meisten Versicherungsprodukte, die zudem noch deutlich teurer sind. Keine Bindungsfrist und vollkommene Flexibilität. So wünsche ich mir das.

Außerdem gibt es bei vielen Direktbanken Aktionsangebote, bei man auch noch die Ordergebühren spart und tatsächlich 100 Prozent der Sparrate in die vom Sparer ausgewählten Exchange Traded Funds fließen. Insgesamt gibt es mehrere Hundert sparplanfähige ETFs, wobei das jeweilige Angebot der Online-Broker unterschiedlich groß ist. Man muss auch hier die Angebote vergleichen. Sonderaktionen seitens der Banken gibt es auch regelmäßig.

Es gibt Anlageexperten, die ETF-Sparpläne als eine der größten Finanzinnovationen des 21. Jahrhunderts bezeichnen. ETF-Sparpläne sind das ideale Geldanlageinstrument, um langfristig Vermögen zu bilden und beispielsweise eine private Altersvorsorge aufzubauen, sofern die Grenzen der Riester-Rente bereits ausgeschöpft sind. Der Zinseszins kann hier auf Dauer auch einen enormen Hebel bedeuten. Positiv natürlich.

Empfehlung für Privatanleger

Privatanleger sollten mit Hilfe von ETFs ein Portfolio aufbauen, mit dem sie in unterschiedliche Anlageklassen investieren. Dabei sollten folgende Anlageklassen berücksichtigt werden:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe
  • Geldmarkt

All diese Anlageklassen können mit ETFs abgebildet werden. Auch noch mehr.  Ein solches Portfolio sorgt für eine ausreichend Diversifikation und reduziert das Risiko, ohne gleichzeitig die Ertragschancen in gleichem Maße zu reduzieren. Es entspricht den Anlagegrundsätzen der „Modernen Portfoliotheorie“, die von Harry M. Markowitz begründet wurde und für die ihm der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wurde. Statistisch bewiesen und wissenschaftlich fundiert.

Fazit

OnVista Bank - Die neue Tradingfreiheit
ETFs bilden einen Börsenindex ab und vollziehen dessen Entwicklung nach. Prima. Diesen Investmentansatz nennt man auch passives Investieren. Mit ETFs können Privatanleger in alle relevanten Anlageklassen investieren und sich ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen. ETF haben viele Vorteile, denen nur geringe Nachteile gegenüber stehen. Diese habe ich schon aufgezeigt im Text.

Und mit einem ETF-Sparplan kann langfristig ein privates Vermögen aufgebaut werden, ohne dass man sich ständig um seine Geldanlage kümmern muss. ETFs sind nämlich eine pflegeleichte Anlage, bei der jährliches Rebalancing – also eine Wiederherstellung der ursprünglichen prozentualen Aufteilung der verschiedenen Anlageklassen – völlig ausreicht. Und ab 25 Euro monatlich oder vierteljährlich können Privatanleger bereits einen ETF-Sparplan starten. Je früher man damit anfängt, desto ausgeprägter wird der Zinseszinseffekt zu Buche schlagen, der nach Albert Einstein schließlich die „größte Entdeckung der Mathematik“ ist.

Über den Autor

juergen-nawatzkiDr. Jürgen Nawatzki ist Diplom-Kaufmann und war früher Finanzberater bei MLP, bevor er seine Liebe zum Schreiben entdeckte.
Inzwischen ist er zusätzlich ausgebildeter Journalist und betreibt den Finanzblog ETF-Blog.com, in dem es um Geldanlage mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) geht.

7 Kommentare
  1. Michael
    Michael sagte:

    Hallo Jürgen,

    mal wieder ein super Beitrag!

    @Philipp: Am besten Du wählst eine Investmentstrategie (z.B. ETF World, ETF Nebenwerte, usw.) und suchst Dir die größten ETF Fonds dazu aus. Dadurch kannst du dir ein schönen kostengünstigen Portfolio bauen, das langfristig wesentlich besser verformt als so mancher gemanagter Fond.

    Tolle ETF Sparpläne bekommst Du bei den gängigen Online Banken. Die sind zum Teil auch sehr günstig und einfach ein zu richten.

    Liebe Grüße,
    Michael

    Antworten
    • Dr. Jürgen Nawatzki
      Dr. Jürgen Nawatzki sagte:

      Hallo Michael,

      vielen Dank für das nette Kompliment.

      Fast alle Online-Broker haben kostenlose ETF-Sparpläne im Angebot, bei denen man die Ordergebühren spart und wo dann 100 Prozent des Sparbeitrages in den jeweiligen ETF-Sparplan fließen.

      Die sollte man sich nicht entgehen lassen. 🙂

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten

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