Ich habe mich diese Woche einem praktischen Testlauf für eine Geldanlage Test und Vergleich in der Praxis mit einem Vermögensberater einer großen deutschen Vermögensberatung unterzogen. Es war meine erste Erfahrung mit einem Vermögensberater, der sich seit 20 Jahren nur mit der Geldanlage befasst. Natürlich war ich neugierig, was mir im Detail präsentiert würde. Ich spielte natürlich eine Rolle, als wüsste ich nichts von der Börse und Aktien und sei auf ungewohntem Terrain unterwegs. Somit ließ ich ihn im Glauben, ich sei ein leichtes Opfer.
Hier meine Eckdaten, die ich ihm vorlegte:

Geldanlage Test

  • Geldanlage: 50.000€ aus einer Erbschaft
  • Renditeerwartung meinerseits: minimal (Inflation +1-2%), ergo 3-4% p.a.
  • Risikoniveau: Gering bis ausgewogen
  • Anlagezeitraum: langfristiger Vermögensaufbau, >10 Jahre

Pünktlich um 10 Uhr klingelte es und ich öffnete die Tür. Der Vermögensberater war ein alter Hase, im Alter zwischen 50-55. Das Gespräch dauerte zwei Stunden. Ich musste mich die ganze Zeit beherrschen, dass meine Tarnung nicht auffliegt. Ich schilderte ihm die Erbschaft von 50.000€, die ich für meine Rente konservativ anlegen wolle. Dabei betonte ich immer wieder, bisher keinerlei Erfahrungen mit Aktien oder ähnlichem gemacht zu haben. Trotzdem würde ich ein wenig Risiko eingehen wollen, da ich ja einen beachtlichen Anlagezeitraum angegeben hatte. Der Vermögensberater war sehr nett und hörte mir anfänglich sehr genau zu und machte sich Notizen. Er stellte anschließend sich und sein Unternehmen und dessen Expertise auf dem Gebiet der Vermögensplanung sehr souverän vor. Er würde mir innerhalb von einer Woche eine Empfehlung via Email für meine Geldanlage als PDF zukommen lassen. Diese Email hatte ich heute Morgen erhalten und möchte Sie nicht länger vorenthalten.

Das Ergebnis des Geldanlage Test

Praxistest-Geldanlage-1
Vorab: Ich möchte auf keinerlei Bewertung der einzelnen Position eingehen, sondern lediglich auf die Kostenseite der angebotenen Produkte, welche mir ausnahmslos mit einem saftigen Ausgabeaufschlag offeriert wurden.

 

 


Praxistest-Geldanlage-2
Allein bei diesem Aktienfonds würden anfänglich 375€ (5% von 7.500€) als Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr in Höhe von 1,4%, die nicht aufgezeigt wird. Das macht dann 105€ (1,4% von 7.500€). In Summe würden anfänglich 480€ an Kosten im ersten Jahr entstehen.


Praxistest-Geldanlage-3
Bei dem nächsten Aktienfonds würden anfänglich 625€ (5% von 12.500€) als Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr in Höhe von 1,45%, die nicht aufgezeigt wird. Das macht dann 181,25€ (1,45% von 12.500€). In Summe würden anfänglich 806,25€ an Kosten im ersten Jahr entstehen.


Praxistest-Geldanlage-4
Bei diesem Fonds würden anfänglich 600€ (4% von 15.000€) als Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr in Höhe von 1,66% die nicht aufgezeigt wird. Das macht dann 249€ (1,66% von 15.000€). In Summe sind anfänglich 849€ an Kosten im ersten Jahr entstanden.

 


Praxistest-Geldanlage-5
Bei diesem Fonds würden anfänglich 600€ (4% von 15.000€) als Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr in Höhe von 1,66% die nicht aufgezeigt wird. Das macht dann 249€ (1,66% von 15.000€). In Summe sind anfänglich 849€ an Kosten im ersten Jahr entstanden

 


Praxistest-Geldanlage-6
Bei dem nächsten Fonds würden anfänglich 300€ (3% von 10.000€) als Ausgabeaufschlag fällig. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr in Höhe von 1,06%, die nicht aufgezeigt wird. Das macht dann 106€ (1,06% von 10.000€). In Summe sind anfänglich 406€ an Kosten im ersten Jahr entstanden.

 


Fazit der Geldanlage Test

Nachdem ich mir alle einzelnen Kostenfaktoren zusammengerechnet habe, komme ich auf einen Betrag von rund 3000€, den ich bei Annahme des Angebots zu zahlen hätte. Dieser Betrag würde still und heimlich den anfänglichen 50.000€ Startsumme entnommen werden. Eine viel zu hohe Gebühr. Davon würde der Vermögensberater geschätzt vielleicht die Hälfte bekommen, sprich rund 1500€ als Honorar für ein Zwei-Stunden-Gespräch plus der anschließenden Standardproduktofferte via Mail. Im heutigen digitalen Zeitalter eine Frechheit, wie ich finde. Aber oftmals spielen die weichen Faktoren eine entscheidende Rolle. Habe ich bei dem entsprechenden Vermögensberater vielleicht auch noch Versicherungen oder andere Sachen laufen, liegt es nahe, diesen für jedwede Angelegenheiten heranzuziehen. Offene transparente Kosten in Finanzangelegenheiten werden hingegen gescheut.

Dann stelle ich nur eine Frage: Zahlt man lieber 5-10 Stunden a 150€ bei einem unabhängigen Honorarberater oder anderem unabhängigen Institut mit einer breiteren Produktpalette oder zahlt man lieber knapp 3000€ versteckte Kosten? Die meisten Anleger ziehen Variante 2 vor, zahlen deutlich mehr und werden größtenteils nur abgespeist mit Standardprodukten, anstatt Variante 1 zu wählen. Unverständlich, aber so sieht es in der Realität leider aus. Verschachtelt, intransparent und frech.  Mit diesen Worten kann ich die fast legale Abzocke bezeichnen. Das nächste Opfer wartet bereits an der Tür. So schnell würde ich eine Menge Geld verlieren. Also aufpassen. Der Schuss könnte schnell nach hinten losgehen.

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