Riester-Rente

Riester-Rente im Test!

Seit ein paar Jahren gibt es ein neues Finanzprodukt, für das die Politik eifrig die Werbetrommel rührt. Es nennt sich Riester-Rente und wird auch als Steuersparmodell angepriesen. Damit kann man die Deutschen immer noch über den Tisch ziehen. Dem Kunden wird suggeriert, er hätte ein Superdeal gemacht und Steuern gespart. Dabei kommt es nicht auf das Steuern sparen an, sondern man sollte die hohen Kosten für den Vertragsabschluss, den Vertrieb etc. betrachten. Diese Kosten sind wie bei den Lebensversicherern extrem hoch. Der Steuerspareffekt wiegt diesem Kostenblock bei weitem nicht auf. Dennoch sind schon Millionen dieser Riester Rentenmodelle abgeschlossen worden. Dabei sind sie intransparent und kaum verständlich. Es fehlt allenthalben an finanzieller Bildung – beim normalen Anleger ebenso wie bei den Politikern. Mit der Riester Rente lässt sich jedenfalls nicht viel gegen die drohende Altersarmut bewirken.

Die Riester-Rente – Differenzierung

In Einzelfällen mag mit diesem Finanzprodukt vielleicht eine solide Rendite erreichbar zu sein, doch für die Mehrheit der Anleger wird sich erweisen, dass es ein fataler Fehler war, die Riester Rente abgeschlossen zu haben. Sie müssen sich immer die betriebswirtschaftlichen Grundlagen vor Augen halten: Ein Produkt wird von einer Bank oder Versicherung nur vertrieben, wenn es dementsprechend Gewinne für die Firma abwirft.

Dazu ein simples Beispiel: Um ein Finanzprodukt für die Versicherung oder Bank lukrativ zu machen, muss es erst einmal die Kosten einspielen, die anteilig für die Miete der Bürokomplexe der Versicherer oder Banken, die Löhne der Angestellten etc. pp. anfallen, einspielen. Diese Fixkosten sind immens und gehen bei großen Versicherern bzw. Banken in die Millionen.

Fazit

Natürlich ist es schon löblich, wenn Menschen überhaupt monatlich etwas zurücklegen. Doch die Riester Rente ist für die meisten Kunden die falsche Ansparform. Natürlich gibt es hier auch Einzelfälle und Ausnahmen, bei denen sich die Riester Rente, wegen dem Steuervorteil lohnt. Dies muss en detail im Vertrag durchleuchtet werden. Langfristig erfolgreicher ist definitiv die Anlage in ETFs.

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16 Kommentare
  1. Alexander
    Alexander sagte:

    Hallo Herr Müller,
    wow, das ist ja mal eine eindeutige Meinung. Können Sie Ihre kraftvollen Aussagen auch mit Berechnungen belegen?
    Mir persönlich ist die Aussage: “alle Versicherungen sind blöd weil da sind ja Kosten drin” etwas zu simpel. Wenn es allein nach der Aussage geht, dass ich nichts kaufen darf, woran andere Profit machen, dürfte ich gar nichts mehr kaufen. Und die Firmen, die ETFs auflegen, machen das auch nicht aus Nächstenliebe.
    Genauer: Wenn ich jetzt in einer Versicherung in einen ETF investiere (mittlerweile sehr einfach möglich) habe ich den klaren Vorteil der Abgeltungssteuerfreiheit, dass sind immerhin mehr als 25% der jährlichen Rendite. Die kann man jetzt mit den Kosten der Versicherung vergleich. Wie hoch ist denn dann Ihrer Meinung nach die Rendite der ETFs bzw. der Kostensatz der Versicherung? Wie ist eigentlich Ihre Meinung zu provisionfreien Produkten?
    Im Sinne der Verbraucher wünsche ich mir da differenziertere Aussagen, die sich nicht nur möglichst skandalöser Überschriften bedienen. Ich freue mich auf eine derartige Diskussion.

    Antworten
    • Florian
      Florian sagte:

      Hallo Herr Schulze-Fielitz,

      vielen Dank für die Nachricht.
      Die Berechnungen ergeben sich individuell anhand des jeweiligen Riestervertrags. Problem ist bei den Verträgen, die mehr oder weniger anhängenden kleingedruckten AGBs. Dort sind die versteckten und intransparenten Kosten in ominösen Wortfloskeln versteckt. Ich behaupte aber nicht, dass Versicherungen per se schlecht sind, nur diejenigen die sich tendenziell mit der Riestervorsorge beschäftigen. Deshalb das gute alte Sprichwort “Schuster bleib bei deinen Leisten” gilt auch für die Versicherungsbranche. Riester suggeriert ja ein Ansparmodell, welches für die Altersvorsorge geeignet ist.

      Zur zweiten Frage der Steuerfreiheit: Diese gibt es nicht..Es ist höchstens ein Steuerstundungseffekt, aber bei Auflösung der Versicherung fallen definitiv Steuern an. Bei provisionsfreien Produkten wäre ich vorsichtig. Jedes Produkt hat direkte und indirekte Kostenkomponenten.

      Gerne würde ich mal ein Riestervertrag scannen und bis ins detail nach Kosten durchforsten. Ich denke viele würden sich wundern… 10% Kosten von der Sparsumme ist vermutlich gar nicht so abwägig.

      Beste Grüße Florian Müller

      Antworten
      • Alexander
        Alexander sagte:

        Hallo Herr Müller,
        lassen Sie mich auf ein paar Ihrer Kommentare antworten:

        “Ich behaupte aber nicht, dass Versicherungen per se schlecht sind, nur diejenigen die sich tendenziell mit der Riestervorsorge beschäftigen. Deshalb das gute alte Sprichwort „Schuster bleib bei deinen Leisten“ gilt auch für die Versicherungsbranche. Riester suggeriert ja ein Ansparmodell, welches für die Altersvorsorge geeignet ist.”
        Das klingt für mich, als ob Sie den Versicherungen Anlage Know-How absprechen. Tatsächlich legen Versicherer schon immer Geld an und solche Anlagegrößen wie z.B. Pimco gehören zu Versicherungen, hier der Allianz. Ich wüsste also nicht, wieso Geldanlage nicht zum Handwerk der Versicherungen gehören sollte bzw. andere es besser machen.

        “Zur zweiten Frage der Steuerfreiheit: Diese gibt es nicht..Es ist höchstens ein Steuerstundungseffekt, aber bei Auflösung der Versicherung fallen definitiv Steuern an.”
        Auf Vorsorgeprodukte fallen Steuern an, trotzdem sparen Sie sich die Abgeltungssteuer. Die Steuerverschiebung ergibt sich aus der nicht erfolgten Versteuerung der Einzahlung bzw. dafür der Versteuerung der Rente bei der Auszahlung. Auch die Verschiebung an sich ist voraussichtlich vorteilhaft. Der Steuervorteil ist also definitiv da.

        “Gerne würde ich mal ein Riestervertrag scannen und bis ins detail nach Kosten durchforsten. ” “10% Kosten von der Sparsumme ist vermutlich gar nicht so abwägig.”
        Das klingt als hätten Sie das noch nie gemacht. Interessant, dass Sie in Ihrer Beurteilung dann zu so eindeutigen Ergebnissen kommen.

        Ich frage mich weiterhin, wie Sie denn Ihre sehr eindeutigen Aussagen untermauern wollen. Beweise sehen anders aus. Ihre Aussagen bisher scheinen mir eher auf Hörensagen zu beruhen. Ich finde, wer etwas wie “Fiasko” schreibt und als “definitiv der falsche Weg” bezeichnet, muss das stärker belegen können. Dem Verbraucher helfen Ihre pauschalisierenden Behauptungen so nicht weiter, im Gegenteil. Es besteht die Gefahr, dass sie mehr schaden als nutzen.

        Antworten
  2. Florian
    Florian sagte:

    Hallo Herr Schulze_Fielitz,

    danke für die Ausführungen. Wir sollten beim Thema bleiben und nicht davon abschweifen.

    Zu Ihren Anmerkungen nun im einzelnen: Sie verallgemeinern meine Worte: Ich würde nie einem fehlendes Anlage Know How seitens einer Versicherung unterstellen. Ich weiß sehr wohl um Pimco und Allianz, keine Frage. Aber es geht hier in dem Beitrag speziell um Riester.

    Und Ihre Aussage Sie sparen 25% Abgeltungssteuer im ersten Post ist schlichtweg falsch und suggeriert dem Leser also ein Vorteil von dem Produkt und ein “Steuermodell”. Bei den meisten Riesterverträgen, wenn denn überhaupt ein Gewinn anfallen sollte, wird natürlich die Abgeltungssteuer greifen. Sie suggerieren hier einen Vorteil, der in Wirklichkeit kein Vorteil ist. Die Steuerstundung ist eine Verlagerung der Steuern in die Zukunft. Ein Vorteil der Steuerstundung gibt es nicht pauschal, das hängt von verschiedenen Faktoren ab.

    Sie schreiben “Auch die Verschiebung an sich ist voraussichtlich vorteilhaft. Der Steuervorteil ist also definitiv da.”

    Wer weiß ob in Zukunft die Steuern steigen, ist dann wirklich ein Vorteil da, bei der Steuerstundung? Sie widersprechen sich ja selbst einmal mit “voraussichtlich” und im nächsten Satz mit “definitiv”.

    Sie schreiben “Ich frage mich weiterhin, wie Sie denn Ihre sehr eindeutigen Aussagen untermauern wollen. Beweise sehen anders aus. Ihre Aussagen bisher scheinen mir eher auf Hörensagen zu beruhen. ”

    Da Sie ja anscheinend ein Befürworter der Riesterrente sind, hätten Sie durch Beweislastumkehr mich vom Gegenteil überzeugen können. Leider kommen da typische Floskeln wie “Steuern sparen” was an Pauschalität kaum zu überbieten ist. Ich beruhe mich nicht aufs Hörensagen. Anhand meiner Vitae, hat mir das auch ehrlich gesagt bisher noch keiner nachgesagt 🙂

    Sie schreiben “Es besteht die Gefahr, dass sie mehr schaden als nutzen”

    Wenn Sie der Experte auf dem Gebiet sind, bitte ich Sie doch darum konkrete Rechnungen durchzuspielen und uns alle vom Gegenteil zu überzeugen. Gerne lasse ich mir das Gegenteil aufzeigen, falls ich falsch liegen sollte.

    Das wäre nett. Vielen Dank.

    Antworten
  3. Thomas
    Thomas sagte:

    Die Meinungen betreffend der Riester Rente gehen immer noch sehr weit auseinander. Letztendlich lohnt es sich, sich verschiedene Geldanlagemöglichkeiten genau anzuschauen und zu vergleichen. So kann man sich überhaupt erst einmal einen Überblick verschaffen und die für sich beste Geldanlage finden.

    Antworten
    • Alexander
      Alexander sagte:

      Hallo Herr Müller,
      gerne, bleiben wir beim Thema. Zum Thema Riester: wie darf ich denn dann Ihren Kommentar “Schuster bleib bei deinen Leisten” verstehen?

      Zum Thema Steuern: Es gibt zwei Arten, wie Riester-Verträge steuerbegünstigt sind:
      1. die nachgelagerte Besteuerung: die Beiträge können sie steuerlich absetzen haben als bei der Einzahlung einen Steuervorteil. Dafür müssen Sie die Rente, die Sie erhalten versteuern. Dann haben Sie einen Steuernachteil. Hier geht es also wie Sie sagen um eine Steuerverschiebung, ganz klar. Diese ist aller voraussicht nach Vorteilhaft (auf Grund des niedrigeren “Einkommens” in der Rente), aber seis drum, gehen wir einfach nur davon aus, dass der Steuersatz gleich bleibt und sich der Vorteil damit aufhebt.
      2. dann bleibt immer noch der Steuervorteil, dass die Erträge während der Anlagedauer nicht der Abeltungssteuer unterliegen, dass Sie also während der Anlage schlicht nicht ca. 25-28% von der Steuer abgezogen bekommen. Die Erträge im Riester sind abgeltungssteuerfrei. Das ist ein handfester Steuervorteil.
      Ich hoffe, das war Ihnen so bekannt. Ich erwarte eine Erklärung, wieso meine Aussagen jetzt “definitiv falsch” sind.

      Zum Thema Beweislastumkehr: Sehr lustig. Sie stellen radikale Aussagen in den Raum, und erwarten dass andere Ihnen das Gegenteil beweisen. Wenn Keppler und Kopernikus dieselbe Herangehensweise gehabt hätten, würden wir heute noch alle glauben, die Sonne dreht sich um die Erde.
      Aber gut, nehmen wir einfach die gewonnene Erkenntnis, dass Riesterverträge einen Steuervorteil beinhalten. Riester-Produkte haben definitiv einen Kostennachteil, keine Frage. Beim Vergleich Riester, der in einen ETF investiert vs. direktes Investment in einen ETF stelle sich also die Frage, was wirkt sich stärker aus, Kosten für den Riestermantel oder Steuervorteil? Das ist eine differenzierte Betrachtung, die nicht eindeutig zu beantworten ist. Hier sind Laufzeit und Renditeannahmen ganz entscheidend. Auf unserer Website Klarplus.com finden Sie Informationen dazu, unsere Software rechnet es Ihnen aus. Wenn Sie mir, als angeblichen Befürworter der Riesterrente, nicht trauen, probieren sie es z.B. bei den Kollegen von Finanztip (http://www.finanztip.de/flexible-altersvorsorge/), die kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Das gilt für Nettorentenpolicen, aber auch z.B. für Riesterfondssparpläne.

      Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären: natürlich kann man Riester verbessern. Die Riester-Rente ist nicht das perfekte Produkt. Das ist ein ETF aber auch nicht, er ist nicht “definitiv besser” und die “Riester-Rente ein Fiasko”. Leider ist die Antwort schwierig, man muss eben differenzieren. Das macht die Altersvorsorge ja so kompliziert. Zudem differenzieren Sie mit der Aussage nicht zw. Riester-Rente auf Basis der klassischen Rentenversicherung, der fondsgebundenen Versicherung und des Fondssparplans mit den vielen verschiedenen Anlagearten.

      Wenn Sie also besagte Aussagen tätigen, führen Sie manche Leser zu falschen Entscheidungen. Es ist eben so wie, Mitdiskutant Thomas sagt: erst vergleichen, dann entscheiden.

      Beste Grüße
      Alexander

      P.S.: Bitte, gern geschehen!

      Antworten
      • Florian
        Florian sagte:

        Hallo Alexander,

        ich wollte ein wenig provozieren mit der Headline um eine rege Diskussion zu entfachen 🙂
        Letztendlich wollte ich das Produkt an den Wurzeln anpacken. Ich sage nur Maschmeyer und Gerhard Schröder, welche das Produkt letztendlich an den Markt gebracht haben und sich damit die Taschen vollgemacht haben.

        Das Argument Steuern sparen wird immer als Köder genommen. Wenn man Gewinne realisiert, fallen Steuern an und das ist so und wird auch immer so bleiben. Ob dies jetzt die Abgeltungssteuer oder eine andere Steuer ist, ist hierbei sekundär. Auf Aktien und ETFs welche ich nicht verkaufe, stapeln sich ja auch Buchgewinne an, die später bei Realisierung versteuert werden.
        Ich bin nur vehement gegen Aussagen die suggerieren “Steuern zu sparen”. Dies ist meistens eine famose Lüge. Aber zu behaupten man spart 25-28% an Abgeltungssteuer wiegt sich ja sozusagen auf, weil dafür eine andere Steuer anfällt, oder etwa nicht 😉

        Wir kommen nicht auf einen Konsens, denke ich

        Liebe Grüße Florian

        Antworten
  4. Dr. Jürgen Nawatzki
    Dr. Jürgen Nawatzki sagte:

    Die Riester-Rente ist ja nicht per se schlecht, sondern die Kosten sind bei vielen Angeboten zu hoch. Inzwischen gibt es jedoch Alternativen auf Basis von ETFs, nämlich von fairr.de, bei denen die Kosten sehr gering sind und die sogar von der Stiftung Warentest empfohlen werden. Auch Finanztip empfiehlt, zunächst die staatliche Förderung der Riester-Rente auszuschöpfen und darüber hinaus beispielsweise einen ETF-Sparplan abzuschließen. Gerade für Familien mit Kindern lohnt sich ein Riester-Vertrag aufgrund der staatlichen Zulagen allemal.

    Viele Grüße

    Jürgen Nawatzki

    Antworten
  5. Michael
    Michael sagte:

    Hallo zusammen,

    was für eine geballte Diskussion! Steuern hin oder her, wenn der Staat mehr Geld benötigt, wird er sich dies hohlen.

    Gefühlt war die Riester Rente für mich auch ein Reinfall. Die Fakten sind ja bekannt und die Kosten sehr hoch.

    Durch die Kommentare bin ich auf jeden Fall ein gutes Stück schlauer geworden :-D. Ich schaue mir auf jeden Fall noch mal die Angebote bzw. Beiträge auf fairr.de und Finanztip an!

    Danke an Alexander, Florian, Herr Dr. Nawazki und Herr Schulze-Fielitz.

    Beste Grüße,
    Michael

    Antworten

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