Die Auswahl der Aktien für das Depot bzw. Portfolio ist eminent wichtig für den langfristigen Anlageerfolg. Ich habe die Schule des Value Investing gelernt und durfte während meiner Studentenzeit bei Prof. Dr. Max Otte im Institut für Vermögensentwicklung in Köln Aktien analysieren. Er war mein Mentor und ich sein Protegé. Das Value Investing ist eine der Königsdisziplinen des Investierens und benötigt eine Menge Vorkenntnisse. Hier werden fundamentale Kennzahlen und Bewertungen anhand der vergangenen Geschäftsberichte der zu analysierenden Unternehmen zur Hand genommen. Bilanzen lesen und verstehen ist hierbei eine der wichtigsten Voraussetzungen, die ein Analyst zu erfüllen hat. Zudem werden weiche Faktoren wie Wettbewerbsanalyse, der USP des Unternehmens und das Geschäftsmodell auf ihre Tragfähigkeit für die Zukunft miteinbezogen.

Eine saubere und gründliche Analyse erfordert einiges an Know How und in Frankfurt gibt es kleinere „Boutiquen“, welche die Aktienselektion anhand eines Analystenteams bewerten. Danach wird die Aktie für den oftmals hauseigenen Fonds gekauft oder auch nicht. Die Kennzahlen KGV, KBV und KCV sind nur ein Bruchteil der Analyse. Ich kenne etliche Fondsmanager, welche nach der Value Investing Methode investieren, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Es gibt auch Fondsmanager mit anderen Anlagestrategien, die sehr rudimentär auf Grundlage vereinzelter, schnell findbarer Kennzahlen agieren. Hier wird viel Sekundär-Research betrieben. Warren Buffett ist wohl der bekannteste Value Investor. Er hat es geschafft, über Jahrzehnte den Markt zu schlagen.

Überschussrendite durch Stockpicking ist wenigen gelungen

Ich hatte das Glück wie erwähnt, Einblick in die Materie des Value Investing bekommen, mich viel damit auseinandergesetzt und unzählige Bücher der Gründerväter Graham & Dodd gelesen. Danach habe ich im Jahr 2013 den zweiten Platz beim Acatis Value Preis gewonnen. Mein Diplomarbeitsthema war damals Überschussrenditen durch Stockpicking. Ich bin mit einigen Fondsmanager noch in Kontakt und beobachte die Performance der Fonds, die auf meiner Beobachtungsliste stehen.

Schlicht und einfach die Erkenntnis, dass die meisten auch nur mit Wasser kochen und die Renditen gegenüber dem Markt nicht geschlagen wurden. Viele Fonds haben in der langjährigen retrospektiven Betrachtung ihre Benchmark nicht geschlagen. Eine gezielte Überschussrendite durch Stockpicking (sprich die gezielte Auswahl von Aktien) ist wenigen gelungen.

Was fehlt letztlich am Erfolg?

In meinen Augen fehlt die klare Strategie. In einem reinen Aktienfonds befinden sich in der Regel zwischen 40-80 Aktien, welche oft nach Länder, Sektoren und Branchen unterteilt sind. Hier gibt es immer wieder Aktien, welche auch aufgrund positiver Kennzahlen und trotz guter Geschäftspolitik durch den Gesamtmarkt mit nach unten gezogen werden. Bei jeder neuen Aktie einen Outperfomer zu erwischen, ist schlichtweg nicht möglich. Deshalb plädiere ich dafür, als ungeübter Anleger immer in ausgewählte ETFs zu investieren. Hier ist allerdings höchste Vorsicht geboten, da es hier auch extrem verschiedene Konstellationen und Konstrukte zur Auswahl gibt, die die meisten Privatanleger nicht en detail verstehen. Einen unabhängigen Profi zu Rate zu ziehen, ist unabdingbar.

2 Kommentare
  1. Dominic
    Dominic sagte:

    Hi Florian,
    in der Einzelaktien-ETF-Debatte bin ich persönlich mittlerweile ziemlich entspannt geworden und verteufele jene Privatanleger nicht mehr, die meinen Stockpicking betreiben zu müssen. Unsystematische Risiken kriegt man schließlich auch mit 30 Einzelaktien (sofern nicht alle aus dem gleichen Sektor/Land) recht gut wegdiversifiziert. Letztendlich geht es den Leuten ja um die Challenge und den Spaß, also lasse ich sie machen…
    Die Debatte wird manchmal echt zu hitzig geführt 😉
    Viele Grüße
    Dominic

    Antworten
    • Florian
      Florian sagte:

      Hi Dominic,

      du hast natürlich recht. Irgendjemand wird den Markt schon schlagen. Mir kommt dies persönlich immer wie Lotto spielen vor. Alle wollen Sie den Jackpot gewinnen.
      Die Wahrscheinlichkeit ist dabei schwindend gering. Aber lieber einmal die Chance auf einen Millionenbetrag, anstatt entspannt reich zu werden und den Betrag in ETFs zu investieren.
      Es ist wie eine Sucht. Es geht auch ganz entspannt 🙂

      Liebe Grüße

      Florian

      Antworten

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